Was ist Humor?
1) Lexikondefinition „
„Humor [von lat. humor, „Feuchtigkeit“], heiter gelassene Gemütsverfassung. Nach mittelalterlicher (vordem griechischer) Anschauung bedingten die Säfte (latein. humores) des Körpers das menschl. Wesen u. seine Stimmung; so erhielt das Wort Humor die Bedeutung „Laune“ u. wurde später zu einer Dichtungsform, die komische Inhalte verarbeitete. Im 18. Jh. entwickelten sich Wort u. Begriff zu einer seelischen Grundhaltung, die in den Missständen des Lebens menschl. Unzulänglichkeiten erkennt u. lachend verzeiht."
Quellenangabe:
dtv Lexikon in 24 Bänden, München 2006, s.v. Humor
2) Erläuterungen aus der Fachliteratur
„Was bedeutet nun Humor?
Das Wort Humor kommt vom lateinischen umor und dem mittelalterlichen Wort Humor, die beide medizinische Bezeich-nungen waren und eine biologische Veranlagung, eine Wesensart oder ein Temperament beschrieben. (Nach früherer Vorstellung wurden die unterschiedlichen Launen und Veranlagungen durch verschiedene Körperflüssigkeiten verursacht. Umor bedeutete ursprünglich nichts anderes als Feuchtigkeit.)
Mit Beginn des siebzehnten Jahrhunderts gewann das Wort Humor jedoch auch die Zusatzbedeutung von Affektiertheit oder Pose, die zur Quelle des Lachens wurde. Dies führte aber häufig zur Verwechslung von Komik und Humor.
Humor ist meiner Meinung nach im Grunde eine ganz realistische Sicht oder Anschauung der Welt um uns. Diese rea-listische Anschauung gewinnen wir durch den sogenannten Sinn für Humor.
[…]
Sinn für Humor läßt sich erwerben, indem wir mit unserem Ich und seinen Anmaßungen spielen, indem wir unsere Affek-tiertheiten, Posen oder angenommenen Rollen als Scherz, unsere Überernsthaftigkeit nicht ernst nehmen und Sinn für manches Alberne und Lächerliche in uns selbst entwickeln. Menschen, die ihre Bedeutung nicht hochspielen, die begreifen, daß niemand unentbehrlich ist, besitzen Sinn für Humor im Sinne des englischen Schriftstellers SAMUEL BUTLER (1612-1680): »Sinn für Humor, scharf genug, einem Menschen seine eigenen Absurditäten und die der anderen zu zeigen.«
Wenn wir uns selbst nicht so ernst nehmen und uns über unsere Schwächen lustig machen können, entgehen wir auch der Angst, uns selbst zum Narren zu machen, lächerlich zu erscheinen. Schon der römische Philosoph SENECA (4 v. Chr. - 65 n. Chr.) meinte, daß keiner lächerlich sei, der über sich selbst lache. Die Angst, sich lächerlich zu machen, führt zu überernsten Reaktionen, die erst recht lächerlich wirken. [...]
Humor schützt uns vor dem Terror von Ideologien oder Einbildungen, vor dem Druck von Dogmen oder Vorurteilen, vor Zwängen und Perfektionismus, und ermöglicht uns so, in wirklicher Freiheit zu leben, nämlich frei von Streß und Frustrationen, Ängsten, Schuldgefühlen und Spannungen – und darin besteht die Heilkraft des Humors!"
Quellenangabe: Bokun, Branko: Wer lacht lebt länger. Von der Heilkraft des Humors, Genf 1987, S. 56 ff.
