Nr. 7: Biene

In der 7. oder 8. Klasse wurden wir von unserem Biologielehrer, dessen Name mir entfallen ist, über die Honigbienen unterrichtet, erfuhren viel über das Leben und Arbeiten dieser emsigen Insekten.

Im Physikunterricht hatten wir schon vorher erfahren dürfen, dass elektrischer Strom nicht einfach so aus der Steckdose fließt.

Jetzt wussten wir endlich auch, dass Honig nicht einfach so aus dem Glas kommt.

Wir lernten fast alles über die Entstehung von Honig. Auch wurden wir in die faszinierenden Geheimisse des Schwänzel-tanzes eingeführt und zeichneten sorgfältig einige Bienenwaben in unsere Hefte.

Fast jeder von uns war schon einmal schmerzhaft von einer Biene gestochen worden, wie unser Lehrer herausfand.

„Ja“, sagte er, „Die Biene hat Jift. Sie hat einen Jiftstachel.“

Dann ließ er seinen Blick durch die Klasse schweifen. Unser Lehrer schlich sich an Klaus-Jürgen heran, so nenne ich ihn jetzt einfach mal. Das barsche Kommando:

„Wiederhole!" schallte durch das Klassenzimmer. Instinktiv duckten wir uns. Klaus-Jürgen war manchmal mit seinen Gedanken ganz woanders. Vielleicht jetzt wieder bei Sabine, der süßen Biene aus der benachbarten Mädchenschule.

Das wäre verständlich gewesen, denn wir waren eine reine Jungenklasse. Unser Biologielehrer wollte Klaus-Jürgen sicher wieder ertappen.

In meiner Klasse war auch noch der gegenteilige Schülertyp vertreten, der mir später häufig in meinem Beruf begegnen solte: Schüler, die mit offenen Augen den falschen Eindruck erwecken, als seien sie hellwach und konzentriert. Ein Muster-beispiel dafür war Claus-Detlef Kunz (nur der Vorname ist echt). Wenn er nach seinem Namen gefragt wurde, pflegte er mit hoher Fistelstimme zu antworten: „Claus-Detlef Kunz, Claus mit C und zwischen Claus und Detlef ein Bindestrich.“ Natürlich wollten seine Lehrer und Mitschüler möglichst häufig wissen, wer er denn sei.

Was nun Klaus-Jürgen anbelangt, nun, er stand auf – das mussten wir damals noch bei jeder Antwort – und wiederholte: „Ja, die Biene hat Jift. Sie hat einen Jiftstachel.“

Der Bengel hatte tatsächlich gut zugehört. Er wurde aber nicht gelobt. Nein! Unser Biologielehrer, wegen seines Jähzornes gefürchtet, wurde richtig böse und verabreichte Klaus-Jürgen eine schallende Ohrfeige, so dass er fast zu Boden fiel und sich gerade noch am Tisch festhalten konnte. Auch unser Biologielehrer wankte wegen des Rückstoßes und brüllte Klaus-Jürgen an: „Du sollst mich nicht nachäffen. Du verdammter Lümmel!“

Klaus-Jürgen hatte wegen des heftigen Schlages auch sein seelisches Gleichgewicht verloren und schluchzte: „Ich habe doch nur das wiederholt, was ich sollte.“ Trotzdem musste er bis zur nächsten Biologiestunde mehrere Seiten über die Biene aus dem Lehrbuch abschreiben – in Schönschrift.

Von dieser Stunde an hatte unser Biologielehrer seinen Spitznamen weg: „Jift“.

„Der Jift hat 'nen jroßen Jiftstachel.", „Morjen haben wir wieder Bio beim Jift.“

Wir fragten uns von da an gegenseitig: „Was jibt's Neues?“, „Was haben wir in Jeschichte auf?

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