Nr. 53: Veilchen
Vor vielen Jahren fuhr ich einen meiner Brüder zur Kataraktoperation in eine Augenklinik.
„Eine Kataraktoperation (Grauer Star) ist ein häufiger und sicherer Eingriff, bei dem die eingetrübte Augenlinse entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt wird. Der Eingriff dauert meist 20 bis 30 Minuten und wird oft ambulant mit lokaler Betäubung durchgeführt. Dabei wird ein winziger Schnitt gemacht, die Linse mithilfe von Ultraschall zerkleinert und abgesaugt und anschließend eine neue Kunstlinse eingesetzt, die meist nicht genäht werden muss und die Sehkraft wiederherstellt.“
[ Information von Google, Stichwort „Katarakt-OP“; eingegeben am 23.11.2025 ]
Die Patienten und Patientinnen saßen auf einer langen Bank und wurden getropft – so nannte das die junge Arzthelferin. Sie applizierte Augentropfen zur Erweiterung der Pupillen, um die Operation zu erleichtern.
Ich saß ganz am Ende der Bank.
Die eifrige Arzthelferin dachte, ich sei ein Patient und hielt die Pipette mit den Augentropfen vor mein rechtes Auge, um auch mich auf die OP vorzubereiten. Ich rettete mich gerade noch mit der Bemerkung: „Ich bin doch nur der Fahrer, kein Patient.“
Das war knapp! Mit einer erweiterten Pupille hätte ich mein Auto nicht steuern können und dürfen.
Dann ereignete sich noch etwas Ungewöhnliches: Vor der Tür zum OP-Raum wartete eine Frau. Die Tür öffnete sich, und eine Patientin mit einem blauen Auge kam heraus. Ihr war bei der Kontrolluntersuchung gerade die Augenklappe abgenommen worden.
Das „Veilchen“ muss bei der OP entstanden sein.
Vorsichtshalber sagte die Patientien zu ihrer Verwandten oder Freundin: „Mein Mann war’s nicht.“ Das brachte uns alle zum Lachen, und mein Bruder konnte ganz heiter zu seiner OP gehen, die sehr gut und ohne „Veilchen“ gelang.

