Nr. 51: Rückblick auf meinen Beruf
 

Der Beruf des Lehrers ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die sowohl Wissensvermittlung als auch die Begleitung von Schülern in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung umfasst. Neben dem Unterrichten beinhaltet er zahlreiche Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitung, Korrektur von Arbeiten, Elterngespräche und administrative Tätigkeiten, was ihn zu einem herausfordernden, aber auch erfüllenden Beruf macht."

[ https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=mein+Beruf+als+Lehrer&dlnr=1&sei=r9QIaZDsBLqqi-gPnIeriAg ] Seite aufgerufen am 03.11.2025

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Wer sich die vorhergehenden Seiten meiner Homepage angeschaut hat, bemerkte sicherlich, dass ich aus meiner Schule fast keine negativen Beobachtungen schildere. Es war keine heile Welt. Wie auch an anderen Schulen gab es  Anfang der siebziger Jahre schwere Probleme mit Lehrkräften, die durch die sogenannte 68er-Bewegung geprägt waren, sich selbst für sehr progressiv hielten und die anderen Lehrkräfte verteufelten, also im doppelten Sinne den Klassenkampf in den Schulen auslösten.

Zum Glück löste unser Schulaufsichtsbeamter das Problem, indem diese Progressiven" an andere Gymnasien versetzt wurden. Einen Schulwechsel hatten sie ohnehin für den Fall angedroht, dass unsere Schulleitung ihre unrealistischen Forderungen nicht verwirklichte. Unser Schulaufsichtsbeamter erfüllte den Wunsch nach einem Schulwechsel mit dem Satz: Reisende Leute soll man nicht aufhalten".                                                                                                                                                           Dann kehrte wieder Ruhe an unserem Gymnasium ein, und wir konnten uns unserer Hauptaufgabe, dem Unterrichten widmen, ohne immer wieder von Progressiven" sabotiert und diffamiert zu werden. 

Als Klassenlehrer war es meine Aufgabe, die "Bemerkungen zum Arbeits- und Sozialverhalten" zu formulieren. Nachdem sie in der Zeugniskonferenz abgesegnet" wurden, füllte ich die Zeugnisformulare aus, damals noch mühsam mit der Schreibmaschine. Tippfehler musste ich unbedingt vermeiden. 

Die Grundlage für die Texte waren die Bemerkungen, die mir das Klassenkollegium rechtzeitig übergeben sollte. Gewöhnlich erhielt ich sehr genaue Bemerkungen von meinem Klassenkollegium. Aber es gab auch Ausnahmen wie diese: eine der progressiven" Lehrerinnen nahm sich eine Klassenliste und schrieb hinter den ersten Schülernamen gut". Dann folgte hinter jedem Schülernamen ein ". Das heißt: bei dieser Lehrerin waren alle Schüler und Schülerinnen gut. Sie vertrat den Standpunkt: Wer nicht gut ist, der wird gut gemacht. Das böse Erwachen folgte, wenn sich vermeintlich gute Schulab-gänger bei Firmen bewarben. Die Personalchefs erkannten sehr schnell, wer wirklich gut war und nicht nur auf dem Abiturzeugnis. 

Ich bezeichne die erwähnte Lehrkraft als Lehrerin", nicht Kollegin", denn sie verhielt sich nicht kollegial, sondern sabo-tierte das bewährte Verfahren. Das Absurde war, dass sie in der Zeugniskonferenz meine Bemerkungen kritisierte. Ich sagte lediglich zu ihr, dass ich sie beneide, weil sie offensichtlich alle Schüler und Schülerinnen so ausgezeichnet motivieren konnte. Aber sie war so dumm und verbohrt, dass sie diese Ironie nicht verstand.

Auch einige andere Lehrkräfte machten sich ein schönes Leben, unterrichteten trotz ihrer vollen Fakultas ihr Fach höchs-tens bis zur 8. Klasse und weigerten sich vehement dagegen, in der Oberstufe eingesetzt zu werden, denn Oberstufenunter-richt erforderte intensive Vorbereitungen und Korrekturen langer Klausuren auch an Wochenenden. Mit ihrer Verweige-rungshaltung kamen diese Lehrkräfte bei der Schulleitung leider durch.

Als ich nach meiner letzten mündlichen Abiturprüfung im Fach Englisch einer Kollegin meine Prüfungsunterlagen übergab, fragte sie mich nach dem Grund. Meinen Hinweis, sie könne diese Texte sicherlich als Muster gebrauchen, wenn sie dem-nächst mündliche Abiturprüfungen abnehme, kommentierte sie mit dem entlarvenden Satz: Ich bin doch nicht verrückt." Wahrscheinlich reichten ihre Englischkenntnisse für den Oberstufenunterricht tatsächlich nicht aus. Es gab in den Ober-stufen im Leistungskurs Englisch Schülerinnen und Schüler, die nach der 10. Klasse ein Jahr in den USA verbracht hatten und die englische Sprache hervorragend beherrschten. Sie merkten sehr schnell, ob eine Lehrkraft ebenso gut Englisch sprach. 

Immer wieder unterliefen Lehrkräfte an unserer Schule die geltenden Bestimmungen. Dazu gehörten das Erteilen von Zensuren für Klassenarbeiten und Klausuren, die nie geschrieben wurden. Außerdem ließen einige Lehrkräfte häufig den Nachmittagsunterricht in der Oberstufe ausfallen.

Es gab noch viel schlimmere Beispiele, die ich hier nicht erwähnen möchte, um den Besuchern und Besucherinnen meiner Homepage nicht die gute Laune zu verderben.  

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass sich Lehrkräfte vorbildlich verhalten.

Gelegentlich dankten mir ehemalige Schüler und Schülerinnen, die  aus sogenannten einfachen Verhältnissen" stammten, dafür, dass sie an unserem Gymnasium gut ausgebildet und betreut wurden. Ich erinnere mich noch an eine sehr begabte und zielstrebige Schülerin, die aus einer zerrütteten Familie stammte. Unsere Schulleiterin sorgte dafür, dass sie in einer Wohngruppe einer kirchlichen Stiftung untergebracht wurde. 

Die Progressiven" an unserem Gymnasium forderten unter anderem, dass unsere Lehrkräfte in dem Einzugsgebiet unserer Schule, das als soziokulturell benachteiligt galt, Stadtteilarbeit leisten müssten. Das war nicht durchführbar, denn wir waren dafür nicht ausgebildet, und uns fehlte die Zeit für eine solche kompensatorische Arbeit.

Glücklicherweise waren die meisten Eltern der uns anvertrauten Kinder sehr kooperativ und unterstützten uns. 

Aber einige Eltern taten das nicht. Das zeigen die beiden folgenden Beispiele.

- Eine meiner Schülerinnen in Klasse 7 schwänzte den Unterricht. Telefonisch erreichte ich ihre Eltern nicht. Also fuhr ich in einer Freistunde zu der nahen Wohnung. Der Vater des Mädchens war stark betrunken, öffnete die Tür mit einer Slivowitz-flasche in der Hand. Wie sollte ich da Stadtteilarbeit leisten?

- In Klasse 9 wurden dreiwöchige Betriebspraktika durchgeführt. Bereits am 2. Tag des Praktikums informierte mich ein Betrieb über das unentschuldigte Fehlen einer meiner Schülerinnen. Ich bestellte ihren Vater zu einem Gespräch in der Schule. Er kam auch, hörte sich meine Nachfrage an, stand dann plötzlich auf, sagte: Stecken Sie sich das in den A ... !" und verschwand. Ich wiederhole meine Frage: Wie sollte ich da Stadtteilarbeit leisten? 

Der Beruf der Eltern unserer Schüler und Schülerinnen durfte nicht mehr in die Schülerakten eingetragen werden, um soziokulturelle Benachteiligungen auszuschließen. 

Das führte zum Beispiel dazu, dass ich einen der Väter nicht mit seinem Doktortitel anredete. Ich wusste nicht, dass er promoviert hatte. 

An einem Wandertag mit meiner 5. Klasse fuhr ein Entsorgungsfahrzeug an uns vorbei. Einer der Jungs sagte: Mein Vater fährt auch so einen LKW. Der holt bei anderen Leuten die Sch*** raus." Ich riet ihm, lieber das Wort "Fäkalien" zu benutzen. Er antwortete: Meinetwegen Fäkulien." Selbst wenn ich den Beruf des Vaters  gekannt hätte, hätte ich den Jungen doch nicht benachteiligt. Dieser Junge schaffte übrigens problemlos das Abitur.

Einige Jahre nach dem Weggang eines der erwähnten "Progressiven" wurde bekannt, dass er nicht mehr an einer Schule unterrichten durfte, weil er eine Schülerin oder einen Schüler sexuell belästigte. Ob es auch vor Gericht zu einem Straf-verfahren kam, erfuhren wir nicht. Verdient hätte er es!

Während meines Studiums an der Universität Hamburg arbeitete ich häufig im Englischen oder Historischen Seminar im Philosophenturm". Ein Kommilitone und ich belegten unsere Plätze mit Schreibunterlagen, bevor wir zur Mensa zum Mittagessen gingen. Nach der Mittagspause wollten wir unsere Arbeiten im  Philosophenturm" fortsetzen. Das war aber manchmal nicht möglich, weil 68er-Studenten den Philosophenturm" besetzt hatten, die Polizei anrücken musste, um den freien Zugang zum Philosophenturm" wieder zu ermöglichen. Solche Besetzungen kamen mehrmals vor. Wir stellten uns darauf ein und nahmen unsere Unterlagen zur Mensa mit.

Damit ich nicht missverstanden werde, betone ich, dass die 68er-Bewegung zum Glück erreichte,  die antiquierte Ordina-rienuniversität zu beenden. Nicht hinnehmbar war allerdings, dass einige 68er-Studenten Gewalt anwendeten und einen Historiker-Ordinarius eine Treppe im "Philosophenturm" hinunterstießen.

Eine Ordinarienuniversität ist eine ältere Form der Universitätsstruktur, die stark von der Macht einzelner Professoren, den sogenannten Ordinarien, geprägt war. Die Professuren waren in Forschung und Lehre weitgehend unabhängig, und die Ordinarien hatten die finanzielle und personelle Verfügungsgewalt, was zu einer hierarchischen Struktur führte. Dieses Modell wurde durch die Universitätsreformen abgelöst, die demokratische Strukturen und Mitbestimmungsrechte für den Mittelbau und die Studierendenschaft einführten." 

[ https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Ordinarien+universit%C3%A4t ] Seite aufgerufen am 29.10.2025

Vor 50 Jahren gelang zwei Studenten an der Universität Hamburg eine bundesweit aufsehenerregende Protestaktion: Bei der Rektoratsübergabe 1967 entfalteten sie vor den einziehenden Professoren ein Banner mit der Aufschrift „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Die Aktion wurde zum Symbol der Studentenbewegung.

Am 9. November 1967 entfalteten die beiden Jura-Studenten und vormaligen AStA-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer auf der Treppe  des mit 1700 Gästen vollbesetzten Audimax das Transparent und führten die hinter ihnen einziehenden Ordinarien regelrecht vor."

[ https://www.uni-hamburg.de/newsroom/campus/2017-11-08-unter-den-talaren.htm ] Seite aufgerufen am 29.10.2025

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