Nr. 25: Die Aufpasserin
Ich war viel zu früh auf dem Flughafen Fuhlsbüttel und wartete, bis ich an Bord der Maschine gehen durfte, die mich nach Klagenfurt fliegen sollte. Am nächsten Tag würde ich, gutes Wetter vorausgesetzt, wieder auf dem Ankogel Ski laufen. Darauf freute ich mich schon sehr.
Im Wartebereich des Flughafens saß neben mir eine junge Mutter mit ihrer Tochter, die vielleicht 5 Jahre alt war. Die Mutter musste noch mal kurz zu „Ladies“ und ermahnte ihre Tochter, gut auf das Gepäck aufzupassen. Als die Mutter zurückkam, sagte die Kleine: „Ich habe gut aufgepasst. Es ist alles noch da. Es ist nichts geklaut worden.“
Da griff ich in das Gespräch ein: „Sehe ich etwa so aus, als ob ich klaue?“ „Nein“, antwortete die Kleine, „Du nicht, aber die da drüben.“ Das war sehr ehrenvoll für mich, aber nicht für die Passagiere, die uns gegenüber saßen. Sie hörten das Gespräch und amüsierten sich sehr. Niemand war beleidigt.
Schon bald wurden wir zum Boarding aufgerufen. Ich erkundigte mich noch schnell fürsorglich, warum ihr Teddy keinen Skihelm trage und erhielt die Antwort: „Weil er keinen hat.“ Das überzeugte mich sofort.
In der Maschine saß das kleine Mädchen mit seiner Mutter einige Reihen vor mir. Es hatte schon eine andere „Männerbekanntschaft“ gemacht. Das Mädchen spannte seinen Sitznachbarn gleich mit beim Kartenspiel ein, das er sichtlich genoss. „Du bist jetzt dran. Du musst jetzt eine Karte ziehen.“ Die Zeit verging buchstäblich wie im Fluge.

