Nr. 10: Einkaufen

Beim Einkaufen kann man herrliche Gespräche erleben. Dazu gebe ich einige Beispiele:

A) In einem Supermarkt wartete ich schon eine ganze Weile am Wurststand, weil die Kundin vor mir sehr viel einkaufte. Die Verkäuferin sagte zwischendurch zu mir: „Ich mach noch schnell die Frau mit der Wurst.“ Diese Bemerkung gab mir sehr zu denken. Was genau meinte die Verkäuferin? Die folgenden Möglichkeiten boten sich an: 

1) Die Verkäuferin wollte eine neue Frau aus Wurst herstellen. Diese Möglichkeit verwarf ich schnell, denn das wäre ausgemachter Blödsinn und würde auch viel zu lange dauern.

 2) Die Verkäuferin meinte: „Ich mach noch schnell die Frau mit der Wurst an.“ Warum sollte die nette Kundin angemacht werden? Auch diese Deutung war unsinnig.

 

3) Die Verkäuferin meinte: „Ich mach noch schnell die Frau mit der Wurst fertig.“ Diese Möglichkeit schloss ich auch sofort wieder aus, denn die Verkäuferin und die Kundin schienen sich gut zu verstehen, kannten sich wohl auch schon länger. Warum also sollte die Kundin von der Verkäuferin fertiggemacht werden und dann auch noch mit einer Wurst, eventuell sogar mit einer harten Dauerwurst? Das wäre wirklich schlimm gewesen. Da kauft die Kundin für sich und ihre Lieben reichlich Wurst ein und wird von der Verkäuferin ganz fürchterlich verhauen. Unmöglich!

4) Die Verkäuferin meinte: „Ich bediene die Kundin eben noch zu Ende.“ Diese Deutung gefiel mir, war wohl auch die richtige. Nur: warum hatte sich die Verkäuferin so missverständlich ausgedrückt? Konnte sie es wirklich nicht besser?

B) Ein junges Mädchen gab zwei leere Eierkartons zurück mit den Worten: „Hier sind zwei Karton von Eier.“ Was soll man dazu noch sagen? Es war eine Deutsche mit Deutsch als Muttersprache. Mittlerweile ist dieses Mädchen erwachsen und Mutter mehrerer Kinder. Wie sollen sie ihre Muttersprache vernünftig lernen?

 C) Der Inhaber eines Wurstgeschäftes, bei dem ich regelmäßig einkaufte, war für seine Schlagfertigkeit bekannt. - Ein Kunde wollte Eier kaufen, gab dem Verkäufer einen leeren Eierkarton zurück und sagte: „8 Eier bitte. Da gehen aber nur 6 rein.“ „Wetten, dass da auch 8 reingehen?“, antwortete der Verkäufer. - Ein anderer Kunde sagte: „Ich krieg 1/4 Pfund Salami.“ Antwort des Verkäufers: „Optimist.“ - Oft bilden Kunden unbedacht Aussagesätze wie: „Ich hätte gern einen kräftigen Schwarzwälder Schinken." Antwort des Verkäufers, hintergründig lächelnd: Wer hätte so einen nicht gern?"

D) In einem Haushaltswarengeschäft kaufte ich eine Blumenvase und ließ sie von der Inhaberin schön einpacken. Bitte packen Sie die Vase in Geschenkpapier ein." Die Inhaberin lobte mich: "

Selbstverständlich. Sie formulieren wenigstens richtig." Dann erzählte sie mir, dass die meisten Kunden zu ihr sagen: Können Sie das ein bisschen einpacken?" Einen Kunden nahm Sie beim Wort und packte die Teller nur ein bisschen ein, verschloss das Papier nicht an den Seiten, ließ die Schleife weg und überreichte die Ware dem Kunden. Zum Glück war der Kunde so humorvoll, dass er dies der Inhaberin nicht übel nahm. Seine Lektion hatte er verstanden, und die Inhaberin vollendete ihr Werk. 

E) Häufig kommt es zu unfreiwilliger Komik: - Eine Kundin hatte bereits Fleisch gekauft und ließ noch Wurst aufschneiden. Sie fragte den Schlachter: Wo ist mein Schweinebauch?" Da musste ich mich schon schwer beherrschen, um mich nicht mit einer frechen Antwort einzubringen. In der Nähe wartete ihr Begleiter, seine Nasenspitze zeigte auf „10 Minuten nach halb acht“; er sah aus wie ein Boxer, der noch nie k.o. geschlagen worden war.

„Darf es etwas mehr sein?“ fragte der Käseverkäufer eine Kundin. Sie antwortete: „Das ist mir wurscht.“ Da mischte ich mich ein: „Ich dachte, Sie wollten Käse kaufen.

F) In einem Regal des Supermarktes suchte ich nach Katzenfutter und hörte ein Gespräch am Wurst- und Käsestand, ohne ihn sehen zu können: Ich hätte gern 1/4 Pfund von der Lotsenmettwurst als solcher.“ - „Und was noch?“ - „10 Scheiben vom scharfen Tilsiter als solchem.“ Da wusste ich, dass konnte nur „mein“ Klempner sein, der mir einst die „Badewanne als solche“ installiert hatte. 

Richtig! Er war es, zwar merklich gealtert, aber die Sprache war immer noch die alte. Wer trennt sich im Alter schon gern von lieb gewonnenen Gewohnheiten? 

Da ich keine große Neigung hatte, mich mit dem Klempner wieder lange zu unterhalten und erneut mit dem als solche"-Virus infiziert zu werden, tauchte ich rasch in die Tiefkühltruhe, auch um einen kühlen Kopf zu behalten. Zum Glück erkannte mich der Klempner nicht.

Mein Kater Charly freute sich mächtig darüber. 

G) Tag: 16.09.2013 Ort: In einem Baumarkt in Barsbüttel 

Ich hole meinen bestellten Gartenhäcksler ab. Er steckt in einem großen Karton. Mit dem Plattformwagen bringe ich ihn zur Kasse. Hinter der Kasse ist normalerweise nur ein Türflügel geöffnet. Als ich an der Kasse bezahlt habe, sagt die Kassiererin: „Da Sie Überbreite haben, öffne ich schon mal die zweite Tür.“

Ich entgegne: „Die Überbreite bezieht sich hoffentlich nur auf den Karton.“ Die Kassiererin lacht laut. 

Ergänzung im Juli 2020: 

Zur Information: „Seit Ende August 2015 besitzt die Hamburger Hochbahn einen neuen Großraumbus: Der CapaCity L. ist 21 Meter lang und bietet Platz für 125 Fahrgäste. Seit September 2018 ersetzt er vollständig die alten XXL-Busse der M5.“

[ Quellenangabe: https://www.hamburg.de/bus/4594222/capacity-l/, Seite aufgerufen am 22.07.2020 ]alten XXL-Busse der M5.“ ]

 

Diese Busse schlängeln sich geschmeidig und gelenkig (deswegen heißen sie auch Gelenkbusse) durch enge Straßen in der Hamburger Innenstadt. Einer dieser Busse fiel mir im Juli 2020 auf, denn an seinem Heck befand sich die folgende Warnung:   -->    -->    -->    -->    -->    -->    -->                                                     
Ich dachte sofort an das soeben geschilderte Erlebnis beim Häckslerkauf.

 Im Nachhinein kam ich mir wegen der Bemerkung der Verkäuferin wie ein gelenkiger Großraumbus vor.

Merkwürdigerweise befindet sich diese Warnung nur an einigen der neuen Großraumbusse, aus welchen Gründen auch immer.
 „Die Metrobus-Linie 5 in Hamburg verläuft vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt (Mönckebergstraße, Jungfernstieg, Gänsemarkt, Dammtor Bahnhof) über die Stadtteile Rothenbaum, Eppendorf, Niendorf und Schnelsen bis zum nordwestlichen Stadtrand nach Burgwedel. Die Strecke ist rund 15 Kilometer lang. Täglich nutzen bis zu 60.000 Menschen die Linie 5, damit zählt sie zu den meist befahrensten Linien Deutschlands.“ 
[ Quellenangabe: https://linie5.com/metrobus-linie-5-in-hamburg/ ] Seite aufgerufen am 23.07.2020

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